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digitalisierte Bücher

James Fenimore Cooper
Die Lederstrumpferzählungen

Fast jeder kennt den Namen "Lederstrumpf", aber kaum jemand hat eine der fünf Lederstrumpferzählungen, die James Fenimore Cooper zwischen 1823 und 1841 geschrieben hat, in einer ungekürzten Fassung gelesen.
Seit über 150 Jahren sind sie auf dem Buchmarkt präsent, sie wurden verfilmt, sind Teil der Weltliteratur und Vorläufer und Wegbereiter für Generationen von Western- und Indianerromanen.
Am Ende des 19. Jahrhunderts konnte es sich kein Jugendbuchverlag leisten, die Lederstrumpferzählungen nicht im Verlagsprogramm zu haben, aber immer gekürzt, bearbeitet und verstümmelt.

Lederstrumpf-Denkmal in Cooperstown

Interessante Lederstrumpf-Illustrationen
      »»» Biedermeierlich: Die erste Jugendbearbeitung bei Schmidt & Spring, 1845
      »»» Gustav Bartsch
      »»» H. M. Brock und C. E. Brock
      »»» Die klassischen Illustrationen: F. O. C. Darley
      »»» Schmidt & Spring, ab 1861: Ernst Dertinger
      »»» Karl Mühlmeister

... COOPER schrieb im Jahre 1823 als erste der L.-Erzählungen "The Pioneers; or, the Sources of the Susquehanna. A Descriptive Tale" (dt. "Die Ansiedler oder Die Quellen des Susquehanna. Ein Zeitgemälde", 1824), 1826 erschien dann "The Last of the Mohicans. A Narrative of 1757" (dt. "Der letzte Mohikaner. Ein Bericht über das Jahr 1757", [...] 1826), die erste umfangreiche Abenteuergeschichte über die Kämpfe der Weißen mit den Indianern. Im Jahr 1827 folgte "The Prairie" (dt. "Die Prärie", auch unter dem Titel "Die Steppe" bzw. "Der Trapper", 1828). Erst 1840, sieben Jahre nach seiner Rückkehr aus Europa, nahm COOPER den Faden mit "The Pathfinder; or, the Inland Sea" (dt. "Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer", 1841) wieder auf. Im folgenden Jahr wurde der fünfbändige Zyklus mit dem Roman "The Deerslayer, or the First Warpath" (dt. "Der Wildtöter oder Der erste Kriegspfad", auch unter dem Titel "Der Hirschtöter", 1841, [...]) abgeschlossen. Nahezu alle neuzeitlichen Bearbeiter ordnen die fünf L.-Romane in der dem Entwicklungsgang der Hauptfigur entsprechenden zeitlichen Folge: 1. "Der Wildtöter", 2. "Der letzte Mohikaner", 3. "Der Pfadfinder", 4. "Die Ansiedler", 5. "Die Prärie", so daß COOPERS Spätwerk an den Platz der Einleitung rückt. Aus dieser Umstellung ergeben sich formale Probleme und inhaltliche Spannungen, da die Romanteile nicht fugenlos ineinandergreifen und die Bearbeiter der Werke bemüht sind, die direkte Folge und Geradlinigkeit verschiedener Handlungsstränge herzustellen. Die Romandarstellung wirft die Frage auf, ob COOPER in einem wirklichkeitsgetreuen Abbild die Kämpfe jener Zeit (u. a. Belagerung und Einnahme von Fort William Henry durch den französischen General Montcalm und das Eingreifen der Irokesen) dokumentieren wollte oder ob er in stärkerem Maße an einer ldealtypischen Darstellung eines in der Wildnis lebenden Trappers, in dessen Gesamtbild auch tragische Züge einfließen, interessiert war. Die Idealisierung der Hauptfigur im Spätwerk zeigt, daß COOPER 1840/41 nicht mehr in derselben Weise wie in seinen frühen Romanen von der Idee der Abbildung der historischen Zusammenhänge beherrscht war. [...] Der "poetischen Behandlung" seines Stoffes maß er die größere Bedeutung bei, da das "zu enge Kleben an der Wahrheit" die Durchführung seiner Pläne behinderte (vgl. COOPERS Vorwort bzw. Einleitung zu den gesammelten "Leatherstocking Tales", 1826, 2 Bde.; 1826. 3 Bde.; 1849-1851. 12 Bde.; Authors Revised Ed.). Natty Bumppo, der als Frontiersman eine typische neue Heldenfigur verkörpert, dann aber im Spätwerk durch die symbolische Überhöhung hervorgehoben wird, tritt für das religiös begründete Naturrecht ein. Parallelen zu J. J. ROUSSEAUS Vorstellung einer "freien" Natur, in der sich die Anlagen des Menschen zur Höchstform entfalten können, sind in der Zeichnung der L.-Figur, aber auch in der Utopie des harmonischen Ausgleichs des zuerst unter dem Aspekt des zivilisatorischen Fortschritts gerechtfertigten menschlichen Gewinnstrebens, das keine Bereitschaft zur Anerkennung der natürlichen Geltung ethischer Normen bzw. des göttlichen Sittengesetzes zeigt, zu finden. Keineswegs stehen sich in den Indianergestalten (Chingachgook, der einstige Häuptling der Delawaren) und den Trappern, Kolonisten oder Nonkonformisten undifferenzierte Charaktere unversöhnlich gegenüber, wie dies in einem großen Teil der Jugendbearbeitungen der Fall ist. Die Indianer sind bei COOPER weder eine Völkergruppe ohne Geschichte, noch sind die Kolonisten der brutale Eroberertyp schlechthin.
Bearbeitungen und kritische Stellungnahmen. In den Bearbeitungen, Nacherzählungen oder Neuauflagen, die bis heute immer wieder erscheinen, ist die schriftstellerische Leistung des Autors oft kaum mehr zu erkennen, weil der Originaltext fast immer um 50 Prozent, in extremen Fällen sogar um 90 Prozent gekürzt ist. Diese L.-Ausgaben beschränken sich auf die spannendsten Handlungselemente und zeigen kaum noch die Farbigkeit, Vielfalt und Atmosphäre des ursprünglichen Textes. Sie verfälschen die Charaktere, weil die Großmut - bei COOPER auf alle kämpfenden Parteien verteilt - nur den Grenzern zugeschrieben wird, die Rothäute angeblich aber nur durch ihre abgrundtiefe Bosheit zu kennzeichnen sind. Sie bringen die historisch bedingte Sichtweise des Autors, daß die natürliche Ordnung der Indianerkultur durch die Zivilisation verdrängt werden mußte, nicht mehr zum Ausdruck. COOPERS Auffassung, daß nur durch den Untergang dieser vorgeschichtlichen Welt die höher bewertete zivilisatorische Stufe erreicht werden kann, kommt in ihrer Einseitigkeit in mancher Nacherzählung besonders drastisch zur Wirkung. Die verschiedenen Gruppen der Weißen, die unterschiedliche Ziele verfolgen, werden schablonenartig und ohne Entwicklung dargestellt.
...

Peter Aley
in: Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, Weinheim und Basel, 1984.

Die Originalausgaben:

  • The Pioneers,or the Sources of the Susquehanna; A Descriptive Tale.- New York: Charles Wiley. 1823.
    XII, 275 SS.; 329, 3 SS.
    2 Bände
  • Pioneers,or the Sources of the Susquehanna; A Descriptive Tale.- London: John Murray. 1823.
    268 SS.; 274 SS.; 364 SS.
    3 Bände
  • Deutsche EA: Die Ansiedler oder Die Quellen des Susquehannah.- Leipzig: E. Klein. 1824 und Leipzig: Wienbrack. 1824



  • The Last of the Mohicans; a Narrative of 1757.- Philadelphia: H. C. Carey & I. Lea. 1826.
    XII, 282 SS.; IV, 289 SS.
    2 Bände
  • The Last of the Mohicans; a narrative of 1757, by the author of "The Spy," "The Pilot," "The Pioneers," etc.- London: John Miller 1826.
    287 SS.; 276 SS.; 295 SS.
    3 Bände, etwa 1 Monat nach der amerik. Ausg.
  • Deutsche EA: Der Letzte der Mohicans.-Braunschweig: Friedrich Vieweg. 1826. und Der Letzte der Mohikaner.- Stuttgart: Brodhag. 1826 und Frankfurt: J. D. Sauerländer. 1826 und Der letzte Mohican.- Stuttgart: Gebrüder Franckh. 1826.



  • The Prairie. A Tale.- London: Henry Colburn and Richard Bentley. 1827.
    VIII, 339 SS.; IV, 370 SS.; IV, 366 SS.
    3 Bände
  • The Prairie. A Tale.- Philadelphia: Carey, Lea & Carey. 1827.
    252 SS.; 276 SS.
    2 Bände
  • Deutsche EA: Die Steppe.- Frankfurt am Main: Johann David Sauerländer. 1828



  • The Pathfinder; or, The Inland Sea.- London: Richard Bentley. 1840.
    VIII, 320 SS.; II, 348 SS.; II, 339 SS.
    3 Bände
  • The Pathfinder; or, The Inland Sea.- Philadelphia: Lea and Blanchard. 1840.
    240 SS.; 233 SS.
    2 Bände
  • Deutsche EA: Der Pfadfinder oder das Binnenmeer.- Frankfurt am Main: Johann David Sauerländer. 1840



  • The Deerslayer: or the First War-Path. A Tale.- Philadelphia: Lea & Blanchard. 1841.
    267 SS.; 282 SS.
    2 Bände
  • The Deerslayer: A Tale.- London: Richard Bentley. 1841.
    3 Bände, wohl gleichzeitig mit der amerik. Ausg.
  • Deutsche EA: Der Hirschtödter .- Frankfurt am Main: Johann David Sauerländer. 184!

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