Abenteuerliteratur
für Jugendliche
Startseite
Inhaltsübersicht

Verlage
 
Verlagsliste
Verlagstafeln

Titelliste
Autorenliste
Illustratorenliste
digitalisierte Bücher

Union Deutsche Verlagsgesellschaft
und die Vorläufer

»»» Verlagstafel

»»» Kamerad-Bibliothek

»»» Universalbibliothek für die Jugend

»»» Bibliothek denkwürdiger Forschungsreisen

Die UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT entstand am 1. Januar 1890 durch den Zusammenschluß der Verlage GEBR. KRÖNER, HERMANN SCHÖNLEINS NACHF. und W. SPEMANN zu einer Aktiengesellschaft unter Leitung von Adolf Kröner. Der Vertrag war am 16. April 1889 abgeschlossen worden.

An zentraler Stelle im Verlagsprogramm standen die Jahrbücher "Der Gute Kamerad", "Das Neue Universum" und für Mädchen "Das Kränzchen" (alle von Spemann übernommen). Die hier vorabgedruckten Romane und Erzählungen erschienen anschließend als Buchausgaben. Im "Guten Kamerad" wurden die Jugenderzählungen von Karl May zuerst veröffentlicht. Weitere Autoren der Jahrbücher waren Franz Treller, Max Felde (= Johannes Kaltenboeck), Maximilian Kern und im "Neuen Universum" Friedrich Ernst Mader. Im "Kränzchen" schrieben Berta Clement, Luise Glas, Minni Grosch und Else Ury steuerte ihre "Nesthäkchen"-Geschichten bei. Auch Schönleins Erfolgsreihe "Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens" wurde weitergeführt und Kürschners "Allgemeiner Deutscher Literatur-Kalender" wurde weiter herausgegeben. Der Schwerpunkt der Verlagsarbeit lag aber bei den Jugendbüchern. Hier sind vor allem die roten Bände der Jugenderzählungen von Karl May zu nennen und eine Vielzahl von Büchern anderer Autoren in ähnlicher Ausstattung. Erfolgreiche Buchreihen waren die von Kröner übernommene "Universalbibliothek für die Jugend", die u.a. Klassiker der Abenteuerliteratur wie Aimard, Cooper, Ferry, Gerstäcker, Marryat, Murray und Mayne Reid enthielt und die "Kamerad-Bibliothek" mit Erstausgaben und Autoren wie Karl May, Franz Treller, Max Felde, Maximilian Kern, Reinhard Roehle und Richard Schott.
Die Jugendbücher bis in die 20er Jahre des 20. Jh. waren vorwiegend für ein besseres Publikum gedacht und von guter handwerklicher Qualität. Sie sind auf Grund ihres attraktiven Äußeren heute bei Sammlern beliebt.

1978 wurde die UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT aufgelöst. 1979 erfolgte ein Neugründung unter dem Namen UNION VERLAG STUTTGART. Dieser UNION VERLAG wurde 1981 vom SPECTRUM VERLAG aufgekauft, der wiederum nach seinem Bankrott von der Meisinger Verlagsgruppe übernommen wurde. Schließlich landete der Verlag 1998 bei der Middelhauve Verlags GmbH.

Die Vorläufer:


Herrmann Schönlein
(1833-1908)

Hermann Schönlein wurde am 2. Dezember 1833 in Leipzig geboren. Von 1847 bis 1852 erlernte er das Buchhandelsgewerbe bei F. L. Herbig in Leipzig und blieb noch weitere 4 Jahre als Gehilfe bei dieser Firma. Von 1857 bis 1865 arbeitete er bei Eduard Hallberger. Im September 1865 gründete Schönlein in Stuttgart seine eigene Verlagsbuchhandlung und Druckerei.
"... Er hatte die Absicht, den mittleren und unteren Volksklassen gediegene Unterhaltung und Belehrung in Form künstlerisch ausgestatteter Journale zu bieten, und zwar zu einem auch dem Aermsten erschwinglichen, damals für unmöglich gehaltenen billigen Preise, von dem Schönlein den Aufschluß neuer ausgedehnter Absatzkreise in den weniger bemittelten Volksklassen erhoffte. ..."
Kurz nach Gründung seines Verlags erschien DAS BUCH FÜR ALLE (Herbst 1865) mit einem Heftpreis von 30 Pfennig. Es folgten die ALLGEMEINE FAMILIEN-ZEITUNG (1869) und DIE ILLUSTRIRTE CHRONIK DER ZEIT (1871) mit einem Heftpreis von 20 Pfennig. Ein weiterer lukrativer Geschäftszweig war die Herausgabe von DAS ILLUSTRIRTE SONNTAGSBLATT (1873) und DAS ILLUSTRIRTE UNTERHALTUNGSBLATT (1874), die mit unterschiedlichen Obertiteln als Unterhaltungsbeilagen für Tageszeitungen deutschlandweit erschienen.
"... In Folge der im Publikum oft laut gewordenen Klage über die enorm hohen Preise der in Buchform erscheinenden Unterhaltungsliteratur faßte Schönlein die Idee zu der im Herbst 1876 begonnenen BIBLIOTHEK DER UNTERHALTUNG UND DES WISSENS (Preis pro elegant gebundenem Band 75 Pfennig), die sofort den größten Beifall fand ..."

Am 1. Mai 1888 verkaufte Hermann Schönlein aus gesundheitlichen Gründen seinen Verlag an die Gebr. Kröner, die ihn bis zur Gründung des Union-Verlags unter dem Namen HERMANN SCHÖNLEINS NACHF. weiterführten.


Adolf Kröner
(1836-1911)

Adolf Kröner, Geheimer Commerzienrath und Ehrenbürger von Leipzig, wurde am 26. Mai 1836 in Stuttgart geboren. Nach Abschluß des Gymnasiums studierte er zunächst am Konservatorium in Paris, mußte dann aber aus finanziellen Gründen nach Deutschland zurückkehren. Er absolvierte eine Buchhandelslehre bei W. Bach in Stuttgart und war dann Gehilfe in der Rieger`schen Universitätsbuchhandlung in München und in der artistischen Anstalt von Malte in Stuttgart.
1859 machte sich Kröner durch den Kauf der Hof- und Kanzlei-Buchdruckerei von Gebr. Mäntler selbstständig. Er begann sofort auch mit dem Verlagsgeschäft, das sich auf die Herausgabe von populär-wissenschaftlichen Werken, von Belletristik und Jugendbüchern spezialisierte. Später kamen dann noch illustrierte Prachtwerke hinzu. Um 1880 wurde mit der später von der UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT weitergeführten und über Jahrzehnte erfolgreichen UNIVERSALBIBLIOTHEK FÜR DIE JUGEND begonnen.
Durch Zukäufe wurde der Betrieb ständig vergrößert. 1867 wurde A. Bechen und 1873 A. Krabbe erworben.
1868 war Adolf Kröners Bruder Paul, zuständig für die Druckerei, Teilhaber geworden, und der Verlagsname änderte sich zu Gebr. Kröner. Die Druckerei wurde zu einer der größten in Deutschland und besaß 1890 neben einer Vielzahl von anderen 60 Schnelldruckmaschinen.
1883 wurde der Verlag E. Keil (einschließlich der GARTENLAUBE) übernommen und unter dem Namen E. Keil`s Nachfolger weitergeführt. 1888 kam der Verlag von Hermann Schönlein hinzu und 1889 wurde die J. G. Cotta`sche Buchhandlung gekauft. Nachdem dann auch noch 1890 W. Spemann eingegliedert war, wurde aus der Firma eine Aktiengesellschaft unter dem Namen UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT.
Die Verlage E. Keil`s Nachf. und J. G. Cotta waren nicht Bestandteil des Zusammenschlusses und wurden als eigenständige Firmen weitergeführt.


Wilhelm Spemann
(1844-1910)

Wilhelm Spemann wurde am Heiligen Abend 1844 in Unna geboren. Er besuchte in Dortmund das Gymnasium und studierte in Zürich. Er machte eine Lehre bei Carl Hoffmann in Stuttgart und arbeitete bei Volckmar in Leipzig. Von 1866 bis 1868 war er in Italien. Seine Verlegertätigkeit begann er 1873 durch den Erwerb von Julius Weise`s Hofbuchhandlung in Stuttgart. Um sich auf das Verlagsgeschäft konzentrieren zu können, verkaufte er 1874 den Buchhandlungsteil. Spemanns Programm bewegte sich innerhalb fester Grenzen und umfasste bessere Belletristik, Kunst-, Kultur- und Sittengeschichte, Biographien und Länder- und Völkerkunde.
"... Epochemachend wurde Spemann`s Thätigkeit durch eine Reihe hervorragender Unternehmungen, wie die COLLECTION SPEMANN, einem der französischen Collection Michel Levy nachgebildeten Sammelwerke, welche die Erschließung der deutschen und ausländischen Musterwerke dem großen Publikum zum Zwecke hat, und in der That das bis dahin für unmöglich Gehaltene in die Praxis übersetzte; für einen billigen Preis (1 Mk.) einen vorzüglich gedruckten und solid gebundenen Band zu bieten. ..."
Weitere bedeutende verlegerische Leistungen waren die Herausgabe einer neuen kritischen Klassikerausgabe DIE DEUTSCHE NATIONALLITERATUR und die Wiederbelebung des PIERER`SCHEN CONVERSATIONS-LEXIKONS. Seit 1881 erschien unter der Redaktion von Joseph Kürschner die Zeitschrift VOM FELS ZUM MEER. 1882 wurde in Berlin eine Niederlassung errichtet.


Zitate:
Biographisches Lexikon des Deutschen Buchhandels der Gegenwart.- Leipzig: Verlag von Friedrich Pfau. 1890.

zum Seitenanfang

Valid HTML 4.01 Transitional